Rundbriefe
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Melanie Harendt
Brinckmannstr. 15
40225 Düsseldorf
Mittwoch, 20. August 2008
Hallo meine Lieben!
Nun kommt mein erster Rundbrief aus Brasilien! Ich hoffe ich kann viele Fragen beantworten. Insgesamt kann man sagen, dass es mir sehr gut geht, dass ich viele neue Eindrücke bekommen habe und sehr nett empfangen wurde. :-)

Ich war sehr froh, dass ich beim Flug mit Katharina zusammen war, die alle Abläufe schon etwas besser kannte als ich. Der der Flug war sehr angenehm, aber am Ende waren wir sehr froh, als wir nach 13 Stunden Flug und 5 Stunden Aufenthalt in São Paulo endlich in Curitiba waren. Dort wurden wir von dem Leiter des Kinderdorfes, Manfred Schwalb, abgeholt. Er nahm uns mit zu sich nach Hause, wo wir zum ersten Mal die typisch brasilianischen Bohnen gegessen haben (sehr gut)! Die ersten Eindrücke waren, dass Curitiba wirklich sehr groß ist und dass die Häuser alle von Mauern und Zäunen umgeben sind. In Brasilien sitzen halt die Guten hinter Mauern und Gittern und die Bösen laufen draußen frei rum :-). Aber daran gewöhnt man sich ganz schnell.

Danach wurden wir in unser Häuschen auf dem Gelände des Kinderdorfes gebracht. Es ist ein süßes kleines Haus, das alles hat, was man braucht. Wir haben sogar eine kleine mobile Heizung, die sehr gut ist, weil es besonders in der ersten Woche abends sehr kalt war. Unser Haus ist von Bäumen umgeben, was ich sehr genieße. Somit schaut man ins Grüne, wenn man aus dem Fenster sieht.
Am Nachmittag kam uns dann Gerlind, unsere Mentorin, besuchen. Sie ist um die 70 Jahre alt, aber noch total fit. Wir verstehen uns sehr gut mit ihr und sie gibt uns viele hilfreiche Tipps, stellt uns allen Leuten vor, übersetzt für uns ins Deutsche und zeigt uns die Stadt. Zu ihr können wir mit all unseren Fragen kommen.

Diesen Monat sollen wir uns ganz auf die Sprache konzentrieren und beginnen deswegen erst nächsten Monat mit der Arbeit in den Familien. Hier im ACRIDAS sind ca. 7 Familien, mit jeweils ca. 6-8 Kindern. Ein Ehepaar nimmt also zusätzlich zu seinen eigenen Kindern noch neue Kinder auf. Aber es ist so, dass der Vater normal arbeiten geht (auch als Vorbildfunktion) und die Mutter den gesamten Haushalt macht. Somit wird es die Aufgabe von Katharina und mir sein, sich einfach intensiv um die Kinder zu kümmern. Das heißt mit ihnen spielen, basteln und mit ihnen raus gehen. Wir gehen jeweils in eine Familie mit kleineren Kindern, das heißt so 2-4 Jahre, weil das da mit der Sprache einfacher ist und die Kinder in diesem Alter noch mehr Aufmerksamkeit benötigen. Ich freue mich schon sehr, wenn ich in die Familie gehen werde.
Wir haben 2 mal pro Woche in der Sprachschule und 2 mal bei Uschi (einer Mitarbeiterin im ACRIDAS) Potugiesisch-Unterricht. Dadurch sollen wir möglichst schnell die Sprache lernen. Und darüber bin ich sehr froh, weil ich mich immer schon so gerne mit den Leuten und den Kindern unterhalten möchte. Das ist immer so schade, wenn die Kinder einem ganz begeistert etwas erzählen und man versteht es überhaupt nicht. Dadurch, dass wir auf dem Gelände wohnen, hatte ich schon einigen Kontakt mit den Kindern, was wirklich schön und lustig war. Die Sprache ist nicht ganz furchtbar schwer, aber ich werde glaube ich trotzdem meine Zeit brauchen.
Wir wurden wirklich sehr nett hier in Brasilien empfangen, vor allem hat man wirklich das Gefühl, dass sie sich richtig freuen, dass wieder Freiwillige aus Deutschland da sind, die mithelfen wollen. Das ist natürlich ein angenehmer Einstieg.

Im ACRIDAS gibt es ganz viele Leute (das mit den vielen neuen Namen ist wirklich ein Problem!) :-). Es gibt natürlich die Sozial-Eltern, dann die ganzen Leute im Büro, 2 Sozialarbeiterinnen, 2 Psychologinnen, Schneiderinnen (ACRIDAS stellt kleine Dinge her, die dann verkauft werden), ganz viele Freiwillige, die bei den Kindern mithelfen, der Mann für alles (er hat dafür gesorgt, dass unser Internet endlich funktioniert, dass wir eine Wäscheleine haben, und ist dabei uns eine Dusch-Trennwand zu bauen) und einige mehr. Die lernen wir jetzt alle nacheinander kennen. Ich hoffe da entstehen schöne Beziehungen. Am Sonntag waren wir zum ersten Mal in der FeG hier in Curitiba und ich war wirklich überwältigt von dem herzlichen Empfang. Da gibt es auch einige, die deutsch sprechen. Am Samstagabend ist auch immer eine Jugendstunde, wo wir nächste Woche auch hingehen werden. Gefahren wurden wir von einer lieben Maria. Das hat die auch ganz selbstverständlich gemacht. Sehr nett! Da fühlt man sich gleich richtig wohl.
Meine Beziehung zu Gott ist gerade sehr intensiv, weil ich darauf angewiesen bin, auf ihn zu vertrauen, dass er es gut mit mir meint hier in Brasilien. Außerdem habe ich gerade relativ viel Zeit, so kann ich viel in der Bibel lesen, Lobpreis machen und beten. Ich bin sehr froh, dass ich weiß, dass ich das alles hier nicht aus eigener Kraft machen muss, sondern dass jemand da ist, der mir hilft.
Die Beziehung zu Katharina ist sehr interessant, weil wir auf den ersten Blick sehr viele Gemeinsamkeiten haben, aber jetzt merken wir so langsam, dass wir in vielen Bereichen doch verschieden sind. Wir sind also dabei uns immer besser kennen zu lernen. Aber es ist sehr angenehm mit ihr zusammen zu wohnen und wir können schön zusammen Lobpreis machen, kochen oder Fernsehen schauen! :-) Heute waren wir in einem schönen Park hier in Curitiba und haben das schöne Wetter genossen. Ich bin wirklich sehr froh, mit ihr hier zusammen zu sein.
Also gerade habe ich noch keinen geregelten Tagesablauf und oft wissen wir morgens auch noch nicht, was alles so kommen wird. Einmal kam z.B. spontan Manfred vorbei und dann sind wir mit ihm zusammen in eine Churrasaria essen gegangen. Aber nächste Woche werden wir dann immer zu unserem Sprachkurs gehen, was ziemlich viel Zeit in Anspruch nimmt, weil man immer so ne 3/4 Stunde braucht um zur Sprachschule zu kommen.

Ansonsten haben wir immer sehr leckeres Essen (bald müssen wir joggen gehen!) :-). Gerlind will uns auch beibringen, wie man Brot backt, weil es hier leider nur so labbriges Weißbrot gibt. Anfang September werden wir wahrscheinlich an einer Freizeit von der FeG teilnehmen und bald will Gerlind mit uns auch mal zum Strand fahren.
Ich danke euch für eure lieben Mails die ich schon bekommen habe, dass ihr mich mit Geld unterstützt (bei der Silberhochzeit meiner Eltern sind 1200 € in bar zusammengekommmen! Herzlichen Dank!) und dass ihr an mich denkt. Ich bin auch total gespannt, was bei euch allen so los ist: also scheut euch nicht mir zu schreiben! :-)
Eure Melli